Häufige Fragen zur Zuckersteuer
22 Fragen, 22 sachliche Antworten. Wo Positionen auseinandergehen, benennen wir beide Seiten. Alle Belege finden Sie auf der Quellenseite.
Was ist die Zuckersteuer?
Eine Sonderabgabe auf Getränke mit zugesetztem Zucker. Ziel der Befürworter ist es, über höhere Preise den Konsum zu senken und Hersteller zu Rezepturänderungen zu bewegen. In Deutschland wird eine solche Abgabe seit Jahren diskutiert; ein beschlossenes Gesetz gibt es bislang nicht.
Quellen: WHO, Bundesregierung
Welche Getränke wären betroffen?
In den meisten Modellen Erfrischungsgetränke mit zugesetztem Zucker ab etwa 5 g je 100 ml: Limonaden, Cola, Energy-Drinks, gesüßte Tee-Getränke und Schorlen. Reine Säfte, Milchprodukte und andere zuckerhaltige Lebensmittel bleiben je nach Modell ausgenommen.
Quellen: WHO-Berichte zur Ausgestaltung
Wann könnte die Zuckersteuer eingeführt werden?
Ein konkreter Zeitplan existiert nicht (Stand: Juli 2026). Es liegt kein beschlossenes Gesetz vor. Sollte eine Abgabe beschlossen werden, wären erfahrungsgemäß Übergangsfristen von mehreren Monaten bis Jahren zu erwarten — in Großbritannien lagen zwischen Ankündigung und Inkrafttreten zwei Jahre.
Quellen: Bundesregierung
Wie funktioniert eine Zuckersteuer?
Meist als gestaffelte Abgabe je Liter, abhängig vom Zuckergehalt. Im britischen Modell (Soft Drinks Industry Levy) gelten zwei Stufen: ab 5 g und ab 8 g Zucker je 100 ml. Hersteller oder Importeure führen die Abgabe ab. Unser Mehrkostenrechner nutzt ein solches Stufenmodell als Beispielrechnung.
Wer zahlt die Zuckersteuer?
Formal die Hersteller oder Importeure. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen jedoch, dass die Kosten überwiegend über höhere Verkaufspreise an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben werden — die Steuer wirkt damit wie ein Preisaufschlag an der Kasse.
Quellen: Studien zur Preisweitergabe
Warum wird eine Zuckersteuer diskutiert?
Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Karies nehmen zu und verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen. Die WHO und wissenschaftliche Institute empfehlen Abgaben auf zuckergesüßte Getränke als eine mögliche Gegenmaßnahme. Kritiker halten Bildung, Prävention und die laufende freiwillige Zuckerreduktion für wirksamer und sozial ausgewogener.
Welche Länder haben eine Zuckersteuer?
Nach WHO-Angaben besteuern weltweit über 100 Länder zuckergesüßte Getränke. In Europa erheben unter anderem Großbritannien, Frankreich, Irland, Portugal, Belgien, Ungarn und Polen entsprechende Abgaben. Die Modelle unterscheiden sich deutlich in Höhe, Staffelung und erfassten Produkten.
Quellen: WHO Global Report on Sugar-Sweetened Beverage Taxes
Was zeigt das Beispiel Großbritannien?
Nach Ankündigung und Einführung der Soft Drinks Industry Levy (2018) haben viele Hersteller ihre Rezepturen geändert, um unter die Steuerschwellen zu kommen; der durchschnittliche Zuckergehalt der erfassten Getränke sank deutlich. Die verkaufte Getränkemenge blieb dagegen weitgehend stabil — verändert hat sich vor allem die Rezeptur, nicht das Kaufverhalten. Eine vergleichbare Reduktion läuft in Deutschland bereits auf freiwilliger Basis. Wie stark sich die britische Abgabe langfristig auf Übergewicht auswirkt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.
Quellen: Studien zur SDIL
Wie hoch wären die Mehrkosten für Verbraucher?
Das hängt vom Steuermodell und vom eigenen Konsum ab. Bei einer gestaffelten Abgabe von 0,26 bis 0,32 Euro netto je Liter (zzgl. MwSt) würde eine Kiste Limonade mit 12 × 1 l rund 4,50 Euro mehr kosten. Was das für Ihren Haushalt bedeuten würde, zeigt der Mehrkostenrechner.
Quellen: Rechenmodell siehe Mehrkostenrechner
Welche Alternativen zur Zuckersteuer gibt es?
Diskutiert werden unter anderem: verbindliche Ernährungsbildung in Schulen und Kitas, verständliche Nährwertkennzeichnung (z. B. Nutri-Score), Bewegungs- und Präventionsförderung, Beschränkungen für an Kinder gerichtete Werbung sowie die freiwillige Zuckerreduktion der Hersteller im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie.
Quellen: Bundesregierung, Wissenschaft
Wer unterstützt eine Zuckersteuer?
Unter anderem die Weltgesundheitsorganisation, medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft, die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), Kinder- und Jugendärzteverbände, Verbraucherorganisationen wie foodwatch sowie Forschende, etwa an der Technischen Universität München.
Wer kritisiert eine Zuckersteuer?
Branchenverbände der Getränke- und Lebensmittelwirtschaft (etwa die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke), über 300 Unternehmen der Getränkebranche in einem offenen Brief, Teile der Politik sowie Ökonomen, die auf die regressive Verteilungswirkung und den Verwaltungsaufwand hinweisen. Auch der Getränkefachhandel — zu dem die Betreiberin dieser Seite gehört — sieht eine Abgabe kritisch.
Quellen: Branchenverbände
Was sagen die Hersteller?
Die Branche verweist darauf, dass der Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken seit Jahren sinkt und das Angebot zuckerfreier Varianten wächst — aus ihrer Sicht ein Beleg, dass freiwillige Reduktion funktioniert. Eine zusätzliche Abgabe lehnt sie überwiegend ab, unter anderem auf der Kampagnenseite lieber-keine-zuckersteuer.de.
Quellen: Branchenverbände, UNESDA-Daten
Was sagen Verbraucher- und Gesundheitsorganisationen?
Die Positionen sind unterschiedlich: foodwatch fordert eine Herstellerabgabe nach britischem Vorbild. Der Verbraucherzentrale Bundesverband setzt vor allem auf verbindliche Reduktionsziele, bessere Kennzeichnung und Beschränkungen für Kindermarketing. Medizinische Fachgesellschaften befürworten eine Abgabe mehrheitlich als Teil eines Maßnahmenpakets.
Quellen: Weitere Informationsseiten
Was empfiehlt die WHO?
Die WHO empfiehlt Steuern auf zuckergesüßte Getränke, die den Endpreis um mindestens 20 Prozent erhöhen — als Teil eines breiteren Maßnahmenpakets aus Kennzeichnung, Bildung, Werberegeln und Reformulierung. Sie dokumentiert zugleich, dass viele bestehende Steuermodelle nur einzelne Getränkekategorien erfassen.
Quellen: WHO
Wirkt eine Zuckersteuer gegen Übergewicht?
Gut belegt ist, dass Abgaben den Zuckergehalt der erfassten Getränke senken (durch Reformulierung) und teils den Absatz zuckerhaltiger Varianten verringern. Ob dadurch langfristig Übergewicht in der Bevölkerung zurückgeht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt — Übergewicht hat viele Ursachen, von Ernährung insgesamt über Bewegung bis zu sozialen Faktoren.
Quellen: Studien
Trifft die Steuer alle Haushalte gleich?
Nein. Haushalte mit geringem Einkommen geben anteilig mehr ihres Budgets für Lebensmittel aus und werden durch Verbrauchsteuern daher relativ stärker belastet — Fachleute nennen das eine regressive Wirkung. Befürworter wenden ein, dass genau diese Haushalte gesundheitlich am stärksten profitieren könnten, wenn der Konsum sinkt.
Warum sollen nur Getränke besteuert werden — und nicht auch Süßigkeiten?
Befürworter argumentieren, dass flüssiger Zucker kaum sättigt, schnell konsumiert wird und Getränke sich steuerlich leicht abgrenzen lassen. Kritiker halten es für inkonsequent, dass Schokolade, Kekse, Frühstücksflocken oder Saucen mit vergleichbarem Zuckergehalt ausgenommen bleiben — mehr dazu auf unserer Argumente-Seite.
Quellen: WHO
Wie viel Zucker steckt in typischen Getränken?
Klassische Cola enthält rund 10,6 g Zucker je 100 ml, Energy-Drinks meist 11–12 g, gesüßte Tee-Getränke 5–13 g, Apfelschorlen 5–7 g. Ein Liter Cola enthält damit rund 106 g Zucker — mehr, als die WHO für einen ganzen Tag empfiehlt (unter 10 %, besser unter 5 % der Energiezufuhr, das entspricht etwa 25–50 g).
Quellen: Herstellerangaben (siehe Rechner-Datenbasis), WHO-Zuckerleitlinie
Was ist die Nationale Reduktionsstrategie?
Eine seit 2018 laufende Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Lebensmittelwirtschaft zur freiwilligen Senkung von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten. Das Max Rubner-Institut begleitet sie wissenschaftlich und dokumentiert sinkende Zuckergehalte in mehreren Produktgruppen; das Bundesernährungsministerium berichtet über erreichte Ziele bei Erfrischungsgetränken.
Quellen: BMLEH, Max Rubner-Institut
Was würde mit den Steuereinnahmen passieren?
Das ist offen, solange kein Gesetz vorliegt. In Großbritannien wurden die Einnahmen anfangs für Schulsport- und Gesundheitsprogramme eingeplant; eine dauerhafte, rechtlich feste Zweckbindung gibt es in vielen Ländern jedoch nicht. Ob Einnahmen in Deutschland in Prävention fließen würden, wäre eine politische Entscheidung.
Nächster Schritt: Berechnen Sie, was eine Zuckersteuer Sie persönlich kosten würde.
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